Preisträger von "Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen" 2019 gekürt

Amtschef Thomas Rechentin hat am 25.11.2019 im Rathaus Zittau die Preisträger des diesjährigen Wettbewerbs „Ab in die Mitte! Die-City-Offensive Sachsen“ ausgezeichnet. Über sechs Monate hatten die sächsischen Städte und Gemeinden Zeit, ihre Projektideen unter dem Motto „Kreatives Handeln in Erlebnis wandeln“ einzureichen. Eine unabhängige Jury hat aus 25 Projekten die sieben überzeugendsten für eine Auszeichnung vorgeschlagen. Für acht Projekte wurden Preisgelder in Höhe von insgesamt 100.000 Euro vergeben. Darüber hinaus sind sechs Städte mit Sonderpreisen einzelner Sponsoren ausgezeichnet worden.

Die Preisträger des Innenstadt-Wettbewerbs "Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen" 2019 stehen fest. Von 25 Projekten aus 24 sächsischen Städten und Gemeinden können sich 13 Kommunen über Preisgelder oder Sonderpreise freuen. Den 1. Preis mit einem Preisgeld von 30.000 Euro erhielt die Stadt Riesa mit dem Projekt „Jugendladen Riesa / Von Jugendlichen - für Jugendliche“. Jeweils ein 2. Preis, dotiert mit je 20.000 Euro, ging an die Stadt Kamenz mit dem Beitrag „Schätze heben- Mitte neu erleben“ und an die Stadt Pirna mit „Das KiP-Lädchen - Gemeinsames Handeln in Zukunft wandeln“. So wurde in diesem Jahr der Umgang mit problembehafteten Immobilien bzw. Grundstücken in den Stadtkernen besonders gewürdigt.

Die Jury honorierte damit einen kreativen Umgang in der Wiederbelegung von ehemaligen innerstädtischen Geschäftshäusern und -räumen, die schon über viele Jahre keine der bisherigen Nutzung adäquaten Alternativen gefunden haben. So gewähren Eigentümer in bester Geschäftslage Jugendlichen die Schaffung eines eigenen Treffpunktes (Riesa). Die Stadt unterstützt dies finanziell und organisatorisch. Durch initiierte und auch gewollte Freiräume für die Jugendlichen zur Realisierung ihres „Jugendladens“ zeichnen sich bereits neue Netzwerke unter den jungen Akteuren selbst und eine neue Identifikation mit ihrer Stadt ab. Nicht zuletzt das Preisgeld wird diese Initiative weiter befördern und zur stärkeren Bindung der jungen Generation an ihre Heimat animieren.
Kamenz sucht nach neuen Ideen für verlorene Plätze und Räume, in einem historisch interessanten Gebäude, mit einer nachweislich über 500 Jahre alten Eibe im Hof. Im Vordergrund steht nicht der allgemein übliche Weg Sanierung-Verkauf-Nutzung, sondern ein Prozess des Suchens kreativer Ideen – Ausprobieren – Interessenten zur Nutzung finden. Einzelne Visionen für ein Versuchs-Labor zu neuen Nutzungen haben die Akteure bereits in den Raum gestellt. Nun wird es sicherlich ein spannender Weg, diesen „Laborbetrieb“, wie ihn die Macher selbst nennen und bereits in Kamenz an anderen Gebäuden testen, mit Leben zu füllen.

Um „mit Leben füllen“ geht es auch beim Wettbewerbsbeitrag in Pirna. Einzelne leer stehende, ehemalige Geschäfte in der unmittelbaren Innenstadt werden für einige Wochen im Jahr nacheinander (pro Jahr ein Geschäft) im Sinne des Wortes mit Leben gefüllt. Das Stadtmarketing bzw. Citymanagement der Stadt selbst zieht in dieser Zeit in diese Geschäfte und initiiert unter wechselnden Themen eine direkte Kommunikation mit den Bürgern, Institutionen, Gewerbetreibenden oder anderen Einrichtungen der Stadt. Durch ein Engagement zahlreicher Sponsoren und Partner, die für das jeweilige Jahresthema geeignet sind (in 2019 z. B . „Kinder und Familie“), kommt Kreativität, Ausprobieren, Gestalten, Diskutieren viel konkreter in die Stadt, als man sich dies oft in öffentlichen Veranstaltungen wünscht.
Die Stadt Zwickau findet für einen ähnlichen „Problemfall“, ein leer stehendes Geschäft in der Fuß-gängerzone, ein Drei-Säulen-Konzept. Gemeinsam getragen vom Eigentümer, Stadt und Gastronomen soll ein Kunst- und Kreativort entstehen, der historische Besonderheiten der Stadt mit künstlerischen Potenzialen verknüpft. Für den Beitrag „Ateliercafé Moritz - Ein offener Kunst- und Kreativort“ mitten in der Stadt erhielt Zwickau einen Anerkennungspreis in Höhe von 5.000 Euro.
Zwei 3. Preise und ein Anerkennungspreis wurden für die kreative Neugestaltung und Vermarktung innerstädtischer Plätze, Straßen oder ganzer Bereiche ausgesprochen. Die Stadt Görlitz erhielten für „Stadt Oase Postplatz: Handeln & Verwandeln“ und die Stadt Grimma für „Hochzeitsstadt Grimma“ jeweils 10.000 Euro. Schließlich konnte sich die Stadt Zittau mit Ihrem Beitrag „Vorhang auf für die innere Weberstraße“ über 5.000 Euro Anerkennungsprämie freuen. Alle drei gehen in ihren Überlegungen von dem Grundsatz aus, neue Effekte in der Belebung zu suchen, sei es durch ein konsequentes, durchkonzipiertes Veranstaltungsmanagement für einen schönen, neu sanierten innerstädtischen, historisch wertvollen Platz (Görlitz, Postplatz), sei es durch die Zusammenführung der steigenden Nachfrage mit den vorhandenen, differenzierten Angeboten (und noch neu zu findenden) Angeboten für eine Hochzeitsstadt (Grimma) oder die Wandlung von einer niedergegangenen, aber historisch wertvollen, früher belebten Einkaufsstraße zu einem neuen Treffpunkt mit kreativen Highlights bereits mit Beginn der Durchführung der Sanierungsmaßnahme (Zittau).

Spannend ist ebenso die Verleihung von Sonder- bzw. Sachpreisen zu sehen. Für interessante Projekte, die sich mit kreativen Gestaltung durch Licht, Blumen, Digitalisierung, Vermarktung oder konkreter Stadtentwicklung beschäftigen, gewähren Sponsoren und Initiatoren Leistungen aus ihrem jeweiligen Geschäftsbetrieb im Wert von bis zu 5.000 Euro. Burgstädt wird so für „Burgstädt zeigt Gesicht - Dein Comic deine Stadt“ eine professionelle Unterstützung mit Licht-Gestaltung durch die NEL Neontechnik Leipzig GmbH erhalten. Delitzsch soll im Jahr 2020 durch attraktive Arrangements von Blumen im Fußgängerbereich florieren. Hier wie auch in einem zweiten „Blumen-Preis“ für die Stadt Freital für die Gestaltung rund um die „Pergola - Wandelgang vom Handel zur Kultur“ wird das holländische Unternehmen Flower & Shower GmbH für Natur, Farbe und sicher auch mehr Leben in den zentralen Bereichen sorgen. Oederan wartet als „alter Hase“ beim "Ab in die Mitte!"-Wettbewerb mit einem wiederum außergewöhnlichen Projekt auf. „Perspektiva - Die Oederaner Fotowelt“ bringt ganz neue Gestaltungselemente in die aktive Kleinstadt im Erzgebirge. Auf Grund der Vielseitigkeit der Akteure, der Komplexität der vielen Ideen aus den letzten Jahren in der Stadtgestaltung und -entwicklung bietet die HTWK Leipzig eine einjährig begleitende Beratung zur Stadtentwicklung und -gestaltung an. Stollberg setzt mit „Kreatives Wandeln- mit Augmented Reality durch Stollberg“ ganz darauf, durch zukunftsweisende technische Möglichkeiten Technikbegeisterte (Jüngere und sicher auch Ältere) an Stationen, Plätze und Gebäude in der Stadt zu führen, die eine historische, interessante Bedeutung für Stollberg haben. Damit diese Technik (Internet, Augement Reality) im öffentlichen Raum funktioniert, bedarf es eines schnellen WLANs, wozu die IT-Innerebner GmbH die technischen Voraussetzungen im Wert von 5.000 Euro liefern wird.

Last but not least: Erstmals hat das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr einen Sonderpreis Einzelhandel im Wert von 10.000 Euro ausgelobt, „für ein Projekt, dass die ansässigen Einzelhändler in kreativer Weise unterstützt, ihre Geschäftskonzepte zukunftsfähig auszurichten und auf die besonderen Gegebenheiten vor Ort abzustimmen, um damit einen Beitrag zur Belebung und für die Attraktivität des Ortszentrums zu leisten,…“. Dies hat die Stadt Weißwasser / O.L. geschafft, mit dem Beitrag „Glas schafft das“. Die kreative Wiederbelebung der „Glaskarte“, einer ehemals als „Kontingent-Bezugskarte“ für Angestellte, wird zum attraktiven Einkaufsgutschein und Wegweiser für interessante digitale Informationen als Acrylglas-Karte neu herausgebracht. Dies funktioniert nur im sehr engen, abgestimmten Zusammenwirken und gegenseitigem Unterstützen der Einzelhändler, Dienstleister, Stadt, Tourismus- und Kultur-Einrichtungen. Nicht zuletzt wird der Preis Motivation sein, um dieses notwendige Public Private Partnership auch zu (er-)leben.

Der "Ab in die Mitte!"-Wettbewerb 2019 hat mit dem Jahresmotto „Kreatives Handeln in Erlebnis wandeln“ eindrucksvoll schon anhand der Preisträger gezeigt, wie kreativ und vielfältig die Ideen und Konzept hierfür sind. Aber auch die nicht mit Preisen honorierten Beiträge sind es wert, weiter wohlwollend beobachtet und unterstützt zu werden. Zahlreiche Akteure haben bereits signalisiert, dass sie ihre Idee nicht in der Schublade verschwinden lassen wollen. Oft konnte in den letzten Jahren beobachtet werden, dass nicht nur der Preis die Wertschätzung für kreative Stadtentwicklung sein sollte und ist, sondern die Akteure selbst dessen Wert durch ihr eigenes Engagement bestimmen. Eine Evaluierung, die die Universität Leipzig in einer aufwändigen Untersuchung von ausgewählten Projekten vergangener Jahre durchgeführt und bereits ausgewertet hat, beweist die ungebrochene Motivation zur gemeinsamen, kreativen Stadtentwicklung. Dies sowie die Projekte aus dem Wettbewerb 2019 werden in der jährlich erscheinenden Dokumentation ausführlich nachzulesen sein. Kostenfrei bezogen werden kann diese über das Organisationsbüro von "Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen" in der IHK zu Leipzig.